Die Diskussion über die Verwendung von Pubertätsblockern und geschlechtsangleichenden Hormonen bei Minderjährigen hat in den letzten Wochen an Intensität gewonnen. Eine Koalition von 20 Generalstaatsanwälten aus republikanischen Bundesstaaten hat die American Medical Association (AMA) aufgefordert, ihre Unterstützung für diese Behandlungen zu überdenken. Insbesondere der Generalstaatsanwalt von Alabama, Steve Marshall, hat im Namen dieser Gruppe einen Brief an den AMA-CEO Dr. John J. Whyte gesendet, in dem er auf die mangelnde Evidenz für die Wirksamkeit dieser Medikamente hinweist. Die Generalstaatsanwälte fordern die AMA auf, ihre Position zu Geschlechtswechselmedikamenten für Minderjährige zu klären und die Beweise für ihre aktuelle Richtlinie zu erläutern. In dem Brief wird argumentiert, dass auch die Beweise für Pubertätsblocker und Hormone bei geschlechtsverwirrten Jugendlichen schwach sind und dass die Qualität der Beweise ähnlich niedrig sei wie für Geschlechtswechseloperationen. Die AMA wurde um eine Stellungnahme bis zum 25. März gebeten, hat bislang jedoch nicht reagiert. [1]
Die Koalition lobt die AMA dafür, dass sie mit der American Society of Plastic Surgeons übereinstimmt, dass es an klaren Beweisen für Geschlechtswechseloperationen bei Minderjährigen mangelt. Gleichzeitig äußern die Generalstaatsanwälte Bedenken, dass die AMA keine ähnliche starke Haltung gegen Hormone eingenommen hat. Marshall betont, dass die AMA sich nicht politisch engagieren, sondern die besten medizinischen Praktiken definieren sollte. Dies ist besonders relevant, da rund die Hälfte der Bundesstaaten Gesetze zum Schutz der Geschlechtsidentität haben und in einigen dieser Bundesstaaten Kinder und Jugendliche nicht ausreichend geschützt sind. Ein besonders aufsehenerregender Fall, der jüngst in den Medien diskutiert wurde, betraf einen Geschlechtswechsel-Detransitionierer, der 2 Millionen Dollar in einem Prozess gegen ihre Ärzte erhielt, die sie beschuldigte, sie im Alter von 16 Jahren zu einer Doppelmastektomie gedrängt zu haben. [2]
Wissenschaftliche Grundlage und gesellschaftliche Verantwortung
Die Diskussion um die medizinischen Standards wird zusätzlich durch die Kontroversen um die World Professional Association for Transgender Health (WPATH) verstärkt. Die AMA steht hier unter Druck, sich klar zu ihrer Position zu äußern, insbesondere da NHS England sich kürzlich von WPATH-Standards distanziert hat. Die CASS-Überprüfung, die mangelnde Entwicklungsrigorität und Transparenz kritisierte, hat die Aufmerksamkeit auf die Standards von WPATH gelenkt. In einem Umfeld, wo Berichterstattung in rechtsgerichteten Medien die Aufmerksamkeit auf WPATH erhöht hat, ist es nicht verwunderlich, dass viele Organisationen, darunter auch die AMA, sich von geschlechtsangleichenden Operationen für Minderjährige zurückgezogen haben, weil es an klaren Beweisen mangelt. [2]
In Deutschland hingegen gibt es bereits seit Jahren Behandlungen für Jugendliche, die sich nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Im März 2025 wurde eine umfassende medizinische Leitlinie zur Behandlung von transgeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, die von 26 medizinischen und psychotherapeutischen Fachgesellschaften sowie zwei Patientenvertretungsorganisationen unterstützt wird. Diese Leitlinie gibt Empfehlungen für eine respektvolle Betreuung und angemessene Behandlung, einschließlich Diagnostik, psychosozialer Unterstützung und geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Ein wesentliches Merkmal dieser Leitlinie ist, dass die Jugendlichen selbst entscheiden können, ob sie eine geschlechtsangleichende Hormonbehandlung wünschen, wobei die Zustimmung der Eltern erforderlich ist. Dies spiegelt den Ansatz wider, dass Fachleute die Jugendlichen unterstützen sollen, um eine abgewogene Entscheidung zu treffen. [3]
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Debatte um Geschlechtswechselmedikamente und deren Anwendung bei Minderjährigen nicht nur in den USA, sondern auch international von großer Bedeutung ist. Während in Deutschland zunehmend klare Richtlinien etabliert werden, müssen in den USA weitere Schritte unternommen werden, um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und die besten medizinischen Praktiken bei der Behandlung von transgeschlechtlichen Minderjährigen im Vordergrund stehen.



