Inmitten des anhaltenden Konflikts mit Iran hat Israels Premierminister Benjamin Netanyahu neue Perspektiven für die Energieversorgung skizziert. Bei einer Pressekonferenz, die am 20. Tag des Krieges stattfand, äußerte er die Idee, alternative Öl- und Gasrouten von der Arabischen Halbinsel zu den Mittelmeerhäfen Israels einzurichten. Diese Routen könnten helfen, die globalen Energieflüsse von den Bedrohungen durch den Iran im strategisch wichtigen Hormus-Kanal und anderen maritimen Engpässen zu befreien. Netanyahu betonte die Notwendigkeit solcher Alternativen, insbesondere angesichts der jüngsten Angriffe Irans auf die Energieinfrastruktur und der drohenden Gefahren für den Schiffsverkehr im Golf.
Netanyahu zeigte sich optimistisch, dass die Konflikte schneller als erwartet enden können, und bezeichnete die vorgeschlagenen Energiewege als „definitiv möglich“. Er verwies auf bestehende Pipeline-Systeme wie die östlich-westliche Petroline Saudi-Arabiens und die Pipeline Habshan-Fujairah der VAE, die bereits dazu beitragen, Störungen im Energiefluss abzufedern. Außerdem schlug Brig. Gen. (Res.) Amir Avivi vor, die östliche Pipeline Saudi-Arabiens mit der Eilat–Ashkelon-Pipeline Israels zu integrieren, um eine Landverbindung für Energieversorgung zu schaffen.
Die Bedrohung durch Iran
Netanyahu warnte eindringlich vor den Gefahren, die von Irans nuklearen und militärischen Ambitionen ausgehen, und verglich ein atomar bewaffnetes Iran mit einer „Apokalypse“. Er würdigte das Engagement des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, das in einer gemeinsamen Kampagne zwischen den USA und Israel zur Bekämpfung dieser Bedrohungen resultierte. In den letzten Wochen hat der Iran durch Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Region, einschließlich der LNG-Exportanlage Ras Laffan in Katar, und Raffinerien in Kuwait und Saudi-Arabien, seine militärischen Fähigkeiten demonstriert.
Die Schäden an Ras Laffan, dem größten LNG-Exportterminal der Welt, sind erheblich. Qatar Energy berichtet, dass der jüngste Angriff 17% der Exportkapazität beschädigt hat, und die Reparaturen könnten bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen. Währenddessen steigen die Erdölpreise auf bis zu 119 Dollar je Fass, ein Anstieg von 73 Dollar vor Kriegsbeginn, und die Erdgaspreise in Europa haben sich ebenfalls erhöht. Diese Entwicklungen könnten zu einem Schock auf dem Markt führen, da die Nachfrage nach ungebundenem LNG steigt und europäische Kunden gezwungen sein könnten, höhere Preise zu zahlen, ähnlich wie in Asien.
Konsequenzen für den globalen Energiemarkt
Die fortwährenden Angriffe und die instabile Situation in der Region haben auch Auswirkungen auf die globalen Märkte. Aktienmärkte in Asien und Europa verzeichnen Verluste, während der Stoxx Europe 600 und der SMI um etwa 2,4% fallen. Während US-Produzenten ihre Exporte erhöht haben, sind die LNG-Ausfuhrterminals bereits ausgelastet. Irans Drohungen mit weiteren Angriffen als Reaktion auf israelische Luftangriffe auf die Erdgasproduktion verschärfen die Lage noch weiter.
Netanyahu’s Vision für alternative Energiewege könnte eine Schlüsselrolle im zukünftigen Energiemarkt spielen, doch die Risiken und Herausforderungen, die Iran darstellt, bleiben bestehen. In einem Kontext, in dem Energiepreise steigen und geopolitische Spannungen zunehmen, wird die Stabilität der Energieversorgung zu einer zentralen Frage für die Region und die Welt.